
Cristina C. Burckas (Hg.): Die Transmission und das Unsagbare. Wie sprechen die Eltern über das, was sie nicht sagen können?
15,5x22cm, Hardcover, gebunden, 152 Seiten
Erschienen im VISSIVO Verlag, 2018
ISBN 978-3-03846-057-2
Die Transmission und das Unsagbare. Cristina C. Burckas
Was die Eltern nicht sagen können, ist in der Regel das, was das Kind am meisten interessiert. Dazu kommt: Nicht alles ist sagbar. Wenn wir sprechen, bleibt uns immer etwas entzogen: Eine Leerstelle, die zur Deutung einlädt und somit erlaubt, dass Neues aufkommen kann.
Wir leben in einer Welt, in der es kaum noch Raum für unerfüllte Wünsche zu geben scheint, in der das gesprochene Wort zunehmend zu Gunsten der visuellen Medien in den Hintergrund gerät und unbeantwortete Fragen mit einer Wissenschaft kollidieren, der man eine Antwort auf alles unterstellt. Wie wirkt sich dies auf die Transmission aus? Inwiefern könnte die allgemeine Desorientierung, die sich bei vielen Jugendlichen heute bemerkbar macht, darauf verweisen, dass die Transmission von einer Generation zur anderen nicht mehr in Funktion ist?
Die in dieser Publikation zusammengetragenen Texte stammen von Analytikern und Vertretern unterschiedlicher Disziplinen aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Im Rahmen einer Tagung im Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe haben sie sich zu obigen Fragestellungen Gedanken gemacht.Mit Textbeiträgen von:
- André Michels
- Cristina C. Burckas
- Ruben Frankenstein
- Daniel Lemler
- Pascale Lemler
- Sabine Lemler
- Marie-France Schäfer
- Catherine Schuppli
- Jennifer Griffith
- Hinrich Lühmann
- Pierre Mattern
- Vanessa Lenzi
Ungeöffnete Tagebücher, ungelesene Dokumente und das Unsagbare zwischen den Zeilen.
«[…] Es geht in erster Linie um die Transmission des Unsagbaren. An eindrücklichen Beispielen wird dargestellt, was damit gemeint ist. Da gibt es ungeöffnete Tagebücher, die während mehr als einer Generation in einer Kiste auf einem Estrich beinahe verstaubt wären, und da gibt es ein ungelesenes Dokument, das von einem Vater seiner Tochter überreicht worden ist mit dem Anspruch, sich in das zu vertiefen, um das der Vater einen Bogen gemacht hat. Und da geht es auch um ein Projekt mit freiwilligen Schülern, die eingeladen werden, sich mit ihren Erinnerungen auseinanderzusetzen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich ein geflügeltes Wort Goethes aus dem Faust, das auch Freud verwendete, wie ein roter Faden durch die Beiträge zieht: ,Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!’
Wobei anzumerken ist, dass sich diese Sentenz nicht unbedingt so lesen muss, dass sie das Unsagbare anvisiert, sie kann auch als Aufforderung interpretiert werden, den Widerstand gegen das väterliche Erbe aufzugeben, aus welchen Gründen auch immer. Genau darum gilt dieses Zitat auch für die Beiträge, die die Transmission mit Filiation oder Übertragung in einen Zusammenhang bringen. […]
Dass dieses Buch diesseits und jenseits des Rheins entstanden ist, passt zum Thema der Transmission: Die Kerngeschichten kommen aus Strassburg, während die Tagung in Karlsruhe stattfand und die Herausgeberin aus Freiburg kommt. Auch die Autoren kommen aus Frankreich, Deutschland und Luxemburg, wobei ein Beitrag – derjenige von Pascale Lemler – zweisprachig abgedruckt ist. Den Lesern wird damit veranschaulicht, dass es auch in Übersetzungen Transmission auf verschiedenen Ebenen gibt, nicht zuletzt diejenigen zwischen den Zeilen.»
Peter Widmer, Psychoanalytiker, in: RISS 88 (2018), Zeitschrift für PsychoanalyseEmail an: verlag@seidelschuetz.org